september-oktober 2000

Didi Neidhart

„Österreich ist ein Musterland,

in dem Menschenrechte, Minderheitenschutz und Demokratiepolitik ganz weit oben auf der Prioritätenskala stehen.“ (*)

Was so ein Musterland ist, das ist sich seiner "Verpflichtung im Sinne unserer Kinder" natürlich doppelt so bewusst. Zeigen sich die rechtschaffenen MusterinländerInnen doch vor allem in ihren einfachen, klaren und unmissverständlichen Äußerungen zu Themen wie "Drogen" und "Kinderschänder". Wer da auch nur irgend einen Einwand hegt, stellt sich automatisch auf die Gegenseite.

Das sieht auch der freiheitliche Salzburger Landespartei- und Landesklubobmann Karl Schnell so. Also wurde im Sommer erneut ein "Drogentest für Lehrer" gefordert. Immerhin seien bei einem aufgeflogenen Drogenring "auch Lehrer als Konsumenten" ausgeforscht worden und könnten, so Schnell, "eventuell auch als Dealer" agiert haben. Also müsse die "charakterliche Eignung" jener "Berufsgruppen, die mit der Ausbildung von Kindern und Jugendlichen zu tun haben" verschärft untersucht werden. Wer diesen charakterlichen Eignungs-Test nicht besteht, hat dann mit einer Art Berufsverbot, natürlich nur "im Sinne unserer Kinder", zu rechnen. Ähnlich argumentierte auch Salzburgs-FP-Scharfmacherin Doris Tatzl, die nach englischem Vorbild "Kinderschänder" öffentlich an den (medialen) Pranger stellen will (natürlich ohne Lynchmob-Nebeneffekte, wir sind ja immerhin in Österreich). Neben dem Schutz jener künftigen Wähler und Wählerinnen, die auf FP-Plakaten schon ihre Popos zu Wahlzwecken hergezeigt haben, sei diese Vorgangsweise auch als abschreckende Maßnahme (so als ob es sich hier um ein Delikt handeln würde, das überhaupt keine psychischen Implikationen aufweist) zu verstehen.

Abschreckung wäre aber auch ein gutes Mittel gegen "Zigeuner". Zumindest wenn es nach dem Willen von FP-Gemeinderat Siegfried Mitterdorfer geht. Also blies der rechte Recke wieder einmal zur Hatz auf die Handvoll Romafamilien, die jeden Sommer in Salzburg zu Gast sind. "Zigeunersippen belagern Großparkplatz", hetzte er in einer Presseaussendung und forderte gleich einmal "Null Toleranz", weil "die Zigeuner nicht bereit seien, sich an die sozialen Regeln zu halten." Wie sagte doch Max Liebermann sinngemäß: Man kann gar nicht so viel fressen, wie man kotzen möchte!

Die rechte Gesinnung offenbarte auch der freiheitliche Vizebürgermeister von Seekirchen Helmut Naderer, als er im einem Antrag im Gemeinderat forderte, "dass die Gemeinde keinerlei Zahlungen in den Fonds für ehemalige NS-Zwangsarbeiter" leisten solle. Es sei"historisch erwiesen", dass es in Seekirchen "keinerlei Zwangsarbeiter" gegeben habe. Stattdessen seien Entschädigungsansprüche an die Adressen der "Nachfolgeregierungen der ehemals Alliierten und der rotgrünen deutschen Bundesregierung" für jene Seekirchner zu stellen, "die nach Russland und in andere Siegerstaaten zur Zwangsarbeit verschleppt wurden". Ausländische Unterstützung bekam Naderer dabei vom schwedischen Rechtsradikalen-Magazin "Nationalsocialistik front", wo seine Treue für jene, die "für Europas Freiheit und die Vernichtung des Bolschewismus gefallen sind", mit höchstem Lob bedacht wurden.