april 2001

Didi Neidhart
zu gast

Wall of Video

Seit Dezember 2000 rockt und rollt es im Beisl des Kulturgelände Nonntal an jedem zweiten Montag. Gemeint sind damit keine Überschreitungen der nachmittäglichen »Happy Hour«, sondern Live-Video, die auf einer großen Leinwand gezeigt werde. Zyniker würden ja angesichts des bisherigen und noch kommenden Programms (s.u.) wohl eher von einer »Rückkehr der reitenden Leichen« bzw. dem »Return Of The Living Dead« sprechen, aber so sind wir ja nicht.

Wobei die Idee dahinter ganz einfach ist. Ging es doch darum, „den blauen Montag etwas zu beleben“, so die beiden »Wall Of Video«-Macher Robert Stolz und Beisl-Chef Franz Vierthaler.

Mit dem Ergebnis, dass sich jetzt regelmäßig 60 bis 90 Leute einfinden wo vorher „wenn's blöde hergegangen ist, ein Tisch zu bedienen“ war. Zudem ist nicht selten der Bär los, werden die Live-Konserven wie echte Konzerte genossen und gibt es jede Menge an Kommentaren und Disputen.

Dazu gibt es flüssige Spezialitäten, die jedoch nicht so ausgiebig genossen werden sollten wie jene berühmt-berüchtigten Live-Doppelalben aus den Siebzigern, die ja auch mitunter immer wieder einen Brummschädel hinterlassen haben. Bisher gab es jedenfalls einen »Rory Gallagher Irish Whiskey«, das »Deep Purple In Rock«-Bier, ein »Rolling Stones At Altamont«-Pils, einen »The Night They Drove Old Dixie Down«-Vodka für alle »The Band«-Fans, sowie einen ausserirdischen »Purple Haze«-Tequila zum Küssen des Himmels im Sinne von Jimi Hendrix. Gespannt darf man jedenfalls auf den beim Grateful Dead-Abend zu erforschenden »Dark Star«-Tequila sein.

Klar darf in diesem Zusammenhang die Frage nach dem Alter der Zielgruppe und ob es sich dabei nicht doch hauptsächlich um geriatrische Rock-Frührentner/Pensionisten handelt, nicht fehlen. Ja, das mag schon stimmen, aber eigentlich seinen die Twentysomethings die Hauptkundschaft. Klar, wenn man bei »Something« auch auf Zahlenwerte über 10 toleriert. Zudem sei zumindest bei Jimi Hendrix auch deutlich jüngeres Volk angesprochen worden.

Für die Sommermonate sind jedenfalls vor allem Festival-Mitschnitte (»Reggae Sunsplash«, »Isle Of Wight«, »Woodstock« im Director’s Cut) geplant.

PS: Des Beisls nächstes Projekt: Noch dieses Frühjahr will die Beisl-Crew das Lokal jungen bildenden KünstlerInnen als Ausstellungsraum zur Verfügung stellen. (Info: 0662/848784-0)