mai 2001

Thomas Neuhold
kommentar

Die Geduld ist aufgebraucht

„Neues Haus für altes Kulturgelände Nonntal“, titelte »Der Standard« im November 1998. Anlass war die Präsentation des Architektur-Wettbewerbes für den Neubau der ARGE-Nonntal. Selbst das städtische Kontrollamt hatte damals angesichts der Baufälligkeit des größten autonomen Kulturzentrums Westösterreichs von dringendem Handlungsbedarf gesprochen.

Was ist seither geschehen? Nichts!

Stimmt schon, Stadt und Land Salzburg haben ein Kulturstättenpaket in der Höhe von 839 Millionen Schilling (61 Mio. E) geschnürt. Darin ist auch der ARGE-Neubau mit 50 Millionen enthalten. Während aber die anderen Vorhaben – Festspielhäuser, Landestheater, Künstlerhaus, Stadtkino... – Schritt für Schritt abgearbeitet wurden, werden, oder zumindest schon einen festen Terminplan haben, tritt das Projekt »ARGE-Neubau« auf der Stelle. Offiziell hängt das Vorhaben am Neubau der Geisteswissenschaftlichen Fakultät. Nur was, wenn sich die Bundesregierung mit dem »Uni-Park« im Nonntal noch länger Zeit lässt oder dieser in diesem Jahrzehnt gar nicht angegangen wird?

Die Politik ersucht um Geduld. Während die Balken morscher und morscher werden, haben die Vereinsoffiziellen der ARGE zweieinhalb lange Jahre auch geduldig gewartet. Nur irgendwann muss damit Schluss sein. Der Unmut unter BenutzerInnen, BesucherInnen und MitarbeiterInnen wächst täglich. Wie lange will man einen Verein mit mehreren tausend Mitgliedern eigentlich noch frotzeln, frage viele. Oder wollen da einige in Stadt und Land gar die ARGE auf die »elegante« Art loswerden, in dem man einfach die Bude verrotten lässt?

Die Zeit arbeitet jedenfalls gegen das Kulturgelände. Die auf Beamtenebene zugesagte Verbindung »Uni-Park« mit der für 2006 (Mozartjahr) in Aussicht gestellten Fertigstellung des Mozarteum-Neubaues ist nur ein schwacher Hoffnungsschimmer. Das Haus verfällt und die Legislaturperiode läuft auch einmal aus. Was Zusagen über den Wahltag hinaus wert sind, wissen wir. Es ist also höchste Zeit, dass sich die ARGE wieder ihrer alten Stärken besinnt und für eine Vorziehung des Bauprojektes aktiv wird. Auch das Nonntal musste erst erkämpft werden.