sommer 2001

Thomas Neuhold
grausame orte

Kongresshaus: Eine Pleiten-,Pech- und Pannenstory

Am 22. Juni ist es soweit: Das neue Kongresshaus soll offiziell eröffnet werden. „Gut Ding“ braucht Weile. Erinnern wir uns an dieser Stelle noch einmal zurück: Es war April 1992, als der Gemeinderat mit den Stimmen von SPÖ, ÖVP und FPÖ den Architektenwettbewerb auf die Schienen stellte. Was dann folgte, war und ist ein Feuerwerk an internationaler Peinlichkeit, politischer Feigheit, lokaler Günstlingswirtschaft und stinknormaler Fehlplanung.

Zum Beispiel der Architektenwettbewerb: Im Oktober 92 präsentierte der damalige SPÖ-Bürgermeister Harald Lettner das Siegerprojekt von Juan Navarro Baldeweg. Die Kosten für sein Projekt wurden auf insgesamt rund 530 Millionen Schilling geschätzt. Baldeweg wurde freilich wieder ausgeladen. Der Salzburger Architekt (und später selbst auf Betreiben der Stadt wieder gefeuerte) Friedrich Brandstätter bekam den Zuschlag. Offizielles Argument: Sein Vorhaben würde nur 400 Millionen kosten. Laut aktueller Schätzung kostet der Neubau nunmehr zwischen 620 und 700 Millionen Schilling.

Es kommt aber noch besser: Der Schuppen wird frühestens 2005 kostendeckend wirtschaften. (Die an sich richtige Argumentation mit der durch den Kongresstourismus zu erwartenden Umwegrentabilität stößt sauer auf: Bei welchem Kultur- oder Sozialverein wurde dieses Argument jemals akzeptiert?)

Doch zurück zur Baugeschichte: Im Oktober vergangenen Jahres wurden massive Fehlplanungen bei den Elektroinstallationen bekannt. Zu schwach dimensioniert, wurde damals berichtet. Rund 15 Monate davor wurden andere planerische Gustostückerl diskutiert: Für die Anlieferung hätte nur ein LKW Platz gehabt, der Haupteingang war im Park versteckt worden; Sicht- und Lärmschutz mangelhaft.

Politisch gesehen ist FPÖ-Vizebürgermeister Siegfried Mitterdorfer für einen großen Teil der Malaise verantwortlich. Er hatte freilich nicht die Courage, sich der öffentlichen Diskussion zu stellen. Im Gemeinderatswahlkampf 1999 wurde die Kostenexplosion verschwiegen und als sie etwas später dann doch ans Tageslicht kam, musste sein Sekretär Franz Spitzauer unter falschem Namen („Herr Obermüller“) im ORF seinen Chef verteidigen.

Alles in allem scheint also das Haus, in dem Anfang Juli der »Europäische Wirtschaftsgipfel« tagen wird, nicht gerade unter einem guten Stern zu stehen.