november 2001

kurzfehler

kurzfehler

Die Kulturseiten der »Salzburger Nachrichten« sind international gesehen nicht gerade ein »Aufreger«. Im September haben's die kreuzbraven »SN« aber sogar bis in die Schlagzeilen der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung« geschafft. Thema des Artikels der »FAZ« über die »SN« war eine von Friedrich Mayr-Melnhof (ÖVP) geschaltete Todesanzeige auf der Kulturseite der »SN«. Das Pateninserat vom 8. September trug die Überschrift „Monsieur Mortier - Adieu!“. Was dann namens von „uns Salzburgern“ kommt, kann man/frau sich beim ehemaligen Regierungsmitglied Mayr-Melnhof ja vorstellen. Die gelernten SalzburgerInnen sind aber den Geruch solch reaktionären Auswurfs offensichtlich schon so gewöhnt, dass Proteste gegen die Geschmacklosigkeit weitgehend ausblieben. Anders in Frankfurt: Die nicht gerade linkslastige »FAZ« empörte sich über die „jeden Anstand verletzende Form“ der Annonce. Empörend fanden die Frankfurter aber auch, dass die »SN« ein „derart degoutantes Inserat“ überhaupt zugelassen hatten. Nachsatz: Die widerliche Aktion des Herrn Baron soll den »SN« knapp 30.000 Schilling eingebracht haben. Na also!

-jan carlsen-

Puppenspiele: Von Juli bis September 2002 sollen in der Landeshauptstadt rund 250 von KünstlerInnen gestaltete menschliche Figuren auf- und ausgestellt werden. Das Vorläuferprojekt »Kunst & Kuh« sucht also einen Nachfolger. Laut Projektleiter Dieter Wörndl sollen die Puppenspiele Salzburger Themen behandeln. Denkbar wären eine Mozart-Insel, eine Stierwascherstraße, Touristengruppen oder Festspielgäste. Unternehmen wie auch Private können Einzelfiguren á 18.500 Schilling (1.340 Euro) erwerben.

Bei den Rohlingen für die Aktion »Stadtmenschen« handelt es sich um unlackierte, lebensgroße männliche und weibliche Schaufensterpuppen in zwei verschiedenen Ausführungen. Neu ist die ganze Aktion übrigens nicht: Der Vorläufer fand unter dem Titel »Adam und Eva 2000« in Stuttgart statt. Siehe unter: www.adam-und-eva-2000.de

-balthasar-

Die »OY.OY.OY.BigBand«, vielen bekannt von einem Jazzfrühschoppen im ARGE-Beisl, schlägt in der ARGE ihre »Homebase« auf. Einmal im Monat wird die überwiegend aus Salzburger Jazzern zusammengestellte Big Band im ARGE-Beisl aufspielen. Start der regelmäßigen Konzerte ist am Montag, dem 26. November, 19 Uhr.

-tom-

Donald Duck hat eine dunkle Vergangenheit. Und wenn die in Österreich schon früher bekannt gewesen wäre, dann hätten es die Micky Maus-Hefteln verdammt schwer gehabt hier Fuß zu fassen. Aber wofür haben wir denn sonst die Farbbeilage der Sonntagskrone. Da lernt man noch Sachen, die einem in der Schule reedukativ halt immer noch nicht beigebracht werden. Denn: »Was damals freilich niemand wusste, würde heute im Internet-Zeitalter den Erfolg von Donald und Konsorten verhindern: Noch während des 2. Weltkriegs wurde vor allem Donald Duck zu Propagandazwecken missbraucht.« Ein Missbrauch, der freilich nicht nur stramme Tierschützer vom Micky Maus-Heftl-Kauf abgehalten hätte. So recherchierte die Krone nicht nur, dass die Disney-Studios »den Erpel« einrücken ließen (in »Donald Gets Drafted«). Nein, es kommt noch schlimmer! Donald Duck „bewarf auf einem Filmplakat Adolf Hitler mit Tomaten (»The Fuehrer's Face«)“! So was geht natürlich entschieden zu weit, wurde aber logischerweise der Nachkriegsjugend verschwiegen, um den „Erfolg von Donald und Konsorten“ nicht zu gefährden. Dabei hätte man es doch schon wissen müssen! Immerhin begannen die Disney-Studios ihren radikalen Anti-Hitlerismus schon 1937, als die sieben Zwerge von Schneewittchen ebenfalls schon zu „Propagandazwecken missbraucht“ wurden und »Whistle while you work/Hitler is a jerk« in den Zeichentrickwald hineinträllerten. Ganz zu schweigen vom Warner Brothers-Nazi-Jäger Bugs Bunny! Dessen Konterfei wurde jedesmal auf ein US-Kampfflugzeug gemalt, wenn die G.I.Joes eines dieser netten kleinen Stuka- oder Messerschmitt-Flugzeuge der Nazis einfach vom Himmel abschossen.

-didi-

Volk & Begehren: Vom 6. bis 13. November läuft die Eintragungsfrist für das Volksbegehren »Bildungsoffensive«. Wie anders können die Forderungen auch lauten als „keine Studiengebühren und unentgeltlicher Zugang zu Bildung und Schule, für leistungsorientiertes universitäres Dienstrecht, das durchgehende Laufbahn ermöglicht“. Und nicht zuletzt „Für die Senkung der Schülerhöchstzahlen auf 25!“.

Pflichttermin!

-tömml-

Volk, Begehren & Verfassung: Bis Dezember läuft die Eintragungsfrist für das Volksbegehren »Sozialstaat Österreich«: Ziel ist die Erweiterung des Artikel 1 der österreichischen Verfassung um den folgenschweren Satz „Österreich ist ein Sozialstaat. Gesetzgebung und Vollziehung berücksichtigen die soziale Sicherheit der BürgerInnen und ihren gesellschaftlichen Zusammenhalt als eigenständige Ziele.“

Detaillierte Informationen gibt es unter der Hotline 0810/00 1755 oder unter »www.sozialstaat.at«

-tömml-

Wie an dieser Stelle bereits vermeldet, findet das 2. Klappe Jugendfilmfestival am 9. und 10. November im Das Kino statt. Die Jury, bestehend aus sieben jugendlichen Amateur-Filmfreaks im Alter von 13 bis 22 Jahren, trifft aus über 60 eingereichten österreichischen und deutschen Streifen eine Auswahl. Vertreten sind alle Genres von Doku bis Horror-Trash, von Comedy bis Animation. Als Extrazuckerl feiert der inzwischen mehrfach preisgekrönte Kurzfilm »Freaky« von der Salzburgerin Gabriele Neudecker im Rahmen des Festivals seine Salzburgpremiere. Ein weiterer guter Grund den Nachwuchsarbeiten eine Chance zu geben.

-doc-

Der »Kurier« widmete dem zwanzigsten Geburtstag der ARGE-Kulturgelände in der Sonntagsausgabe vom 16. September eine ganze Seite. Unter dem Titel »Werkstatt für besondere Lebensentwürfe« berichteten Roman Hinterseer und Walter Schweinöster ebenso über die absurden Versuche, die ARGE „ins terroristische Eck“ zu stellen, wie über die Untergriffe und Attacken der FPÖ gegen das größte autonome Kulturzentrum außerhalb der Bundeshauptstadt. Thema war aber auch der beschämende Zustand des stadteigenen Gebäudes im Nonntal und die schier endlose Geschichte des ARGE-Neubaus. Über zwei Komplimente haben wir uns besonders gefreut: Die Köche des ARGE-Beisls seien „zwei Spitzenköche, die jedem Hauben-Wirt Freude machen würden.“ Dem »kunstfehler« wiederum wurde das Prädikat „streitbar“ verliehen.

-red.-

»Gehirn umstellen« – Der Tod ist bekanntlich ein Meister aus Deutschland. Gleiches gilt für »Betroffenheit«. Da wird dann schon einmal störender Firlefanz wie Meinungs- und Redefreiheit über Bord geworfen und selbst eine Ikone des Mainstream-Fernsehens wie Ulrich Wickert für harmlose Worte zu öffentlichen Entschuldigungen gezwungen. Für Trauerfreizeit und ähnliche Harmoniebetriebsstörungen haben deutsche Arbeitsviecher nichts übrig. Das scheint auch der deutsche Avantgardekomponist Karlheinz Stockhausen nicht bedacht zu haben, der im Rahmen einer Pressekonferenz Folgendes gesagt haben soll: „Was da geschehen ist, ist - jetzt müssen Sie alle Ihr Gehirn umstellen - das größte Kunstwerk, das es je gegeben hat. Dass Geister in einem Akt etwas vollbringen, was wir in der Musik nicht träumen könnten, dass Leute zehn Jahre üben wie verrückt, total fanatisch für ein Konzert und dann sterben. Das ist das größte Kunstwerk, das es überhaupt gibt für den ganzen Kosmos. Stellen Sie sich doch vor, was da passiert ist. Da sind also Leute, die sind so konzentriert auf eine Aufführung, und dann werden 5000 Leute in die Auferstehung gejagt, in einem Moment. Das könnte ich nicht. Dagegen sind wir gar nichts, als Komponisten“. Letzteres dachten auch die Verantwortlichen eines Hamburger Musikfestes, die unverzüglich alle Konzerte des Maestro absagten. Wie aber halten es die Mitleidsweltmeister mit anderen Künstlern? Es ist nichts bekannt darüber, dass Bilder von Futuristen, die immerhin den italienischen Faschismus verehrten, in den Giftschrank gesperrt worden sind. Ebenso wenig wurde erwogen, die Bücher des nationalistischen Kriegsverherrlichers Ernst Jünger in den Mistkübel der Geschichte zu werfen.

Fazit: Auch kosmisches Kunstgeschwafel unterliegt der selektiven Wahrnehmung.

-doc-

Das Festival »Zeitfluss« ist bei den Festspielen nicht mehr erwünscht. „Abgetörnt“ von Salzburg sind die Macher des »Zeitfluss« Festival Markus Hinterhäuser und Thomas Zierhofer. Kein Wunder: Nach fünf erfolgreichen Festivals in Kooperation mit den Festspielen wurde die Zusammenarbeit vom neuen Leiter Peter Ruzicka aufgekündigt. Die beiden suchen derweil neue Kooperationspartner in der Stadt Salzburg für ein Festival 2003, vermissen aber nach wie vor eine politische wie inhaltliche Willensäußerung der Fördergeber.

-tömml-

Absinth ist wieder im Kommen -

und auch schon in Salzburg zu haben! Nach dem Verbot des Getränks Anfang des 20. Jahrhunderts – der Absinth stand im Verdacht Mord, Selbstmord und Wahnsinn (»Die grüne Fee«) zu unterstützen, wurde eine sanftere Variante 2000 wieder europaweit legalisiert. Das psychoaktive Thujon – ein dem THC ähnlicher Wirkstoff – wurde auf ein ungefährliches Maß reduziert, die berauschende Wirkung des grünlich-milchigen Hochprozenters darf getestet werden.

Eine Auswahl mehrerer Sorten bietet in Salzburg das Cafe Wernbacher, Franz Josef Str. 5.

-tömml-