sommer 2002

Thomas Neuhold
leitartikel

Salzburg? Linz? Oder wo?

Vor wenigen Wochen ist im Salzburger Otto Müller Verlag ein Photo- und Textband von Clemens M. Hutter mit dem Titel »Salzburg. Ein Glücksfall« erschienen. Das Buch, eine Art Liebeserklärung des langjährigen Auslandschefs der »Salzburger Nachrichten« an die Landeshauptstadt in Bild und Text, beginnt mit einem bekannten Zitat von Karl Kraus: »Hätten die Salzburger Salzburg gebaut, wäre bestenfalls ein Linz daraus geworden.« Hutter hat weitergedacht und festgestellt: "Mit Ausnahme von Wolfgang Amadeus Mozart, Christian Doppler, dem »Stille Nacht« und der Story für den »Sound of music« machten konstant »Ausländer« Salzburg zu dem, was es heute ist – den lieben Gott mit eingeschlossen."

Der liebe Gott in Salzburg ein Ausländer – das lässt einige Gedankenketten aufkommen. Ob er wohl als Schlüsselarbeitskraft durchginge und ins blau-schwarz-rote Arbeitskräftekontingent eingerechnet würde? Oder spielt Hutter auf Gottes jüdische Verwandtschaft an, was ihm bekanntermaßen in Salzburg auch nicht immer positiv angerechnet worden wäre?

Aber bleiben wir bei Karl Kraus. Die reale Salzburger »Baukunst« hat die satirische Ahnung von Kraus bei weitem überholt. Denn wenn die Salzburger selbst entscheiden, laden sie zuerst den ausländischen Wettbewerbssieger aus und übergeben die Planung einem lokalen Günstling. Was dann herauskommt, ist an der Ecke Auerspergstraße/Rainerstraße als neues Kongresshaus zu besichtigen.

Das Kongresshaus ist freilich bei weitem nicht der Gipfel: Denn wenn die Salzburger nach ihrem eigenen Gutdünken planen dürfen, betonieren sie einfach ein Fußballstadion vor die Tore von Schloss Klessheim. Was ist schon ein Fischer von Erlach gegen eine Spielstätte für einen zweitklassigen Kickerverein? Wenn, wie Karl Markus Gauß schreibt, Guggenheim und damit das Hollein-Projekt eines Museums im Berg eine Kathedrale wäre, in welcher „das Hochamt des Konsumismus“ zelebriert würde, was in aller Welt ist dann eigentlich das Schausberger/Raus/Bieringer Stadion in Wals-Siezenheim? Und was wird dort zelebriert?