jänner-februar 1999

Didi Neidhart
titel

Cultural Cyberspaces

Computerwelten als öffentliche Schnittstellen zwischen Kunst, Kultur und Politik

»Um die partizipatorischen und demokratischen Potentiale Neuer Medien nutzen zu können, um die politische und künstlerische Gestaltung des virtuellen Raums zu ermöglichen, um den Maßstäben des Rechts auf Information gerecht zu werden, um einen angstfreien Umgang mit Neuen Medien auf möglichst breiter Basis zu fördern, bedarf es Public Access, also möglichst kostenlosen und qualifiziert betreuten Zugang zum Datenhighway.« (aus: Klimawechsel. Für eine neue Politik kultureller Differenz, hg. von Gerald Raunig, IG Kultur Österreich 1998)

Was die IG Kultur in ihrer Antwort auf das »Weißbuch Kultur« fordert, könnte in Salzburg schon in kürzester Zeit Realität werden. Ab Februar 1999 wird der Verein »subnet« - »Salzburger Plattform für Medienkunst und experimentelle Technologien« (der »kunstfehler« berichtete in seiner letzten Ausgabe davon) im Kulturgelände Nonntal mit seiner Arbeit an einem öffentlich zugänglichen Internetzugang beginnen. Ziel von subnet ist es, möglichst vielen Salzburger Kulturinitiativen, aber auch solchen aus dem Bereich Soziales sowie interessierten Privatpersonen, einen Internetzugang zu ermöglichen. Dieser soll als zentrale Plattform zum internen Kommunikations- und Informationsaustausch fungieren. Geplant sind nicht nur technische Einschulungen, inhaltlich, gestalterische Hilfestellungen bei Computer-Problemen (etwa bei der Herstellung von Web-Pages und/oder künstlerischen Projekten im Internet) sowie die kostenlose Weitergabe von computer/internetspezifischem Know-how. Den AktivistInnen von subnet geht es vor allem um den Aufbau einer »unabhängigen Online-Kultur in Salzburg«. Dies sei umso wichtiger, da es in Österreich, mit Ausnahme von Wien (Public Netbase) und Linz (Stadtwerkstatt), so gut wie keine künstlerischen, kulturellen, sozialen und dezitiert politischen Inhalte im Internet gäbe. Salzburg hätte so die Möglichkeit, eine Vorreiterrolle in Österreich bezüglich alternativer Netzkultur zu übernehmen. Dazu subnet: »Das Internet ist nachwievor vom Primat der Ökonomie geprägt. Nur wird es immer gerne als ideologiefreier Raum verkauft. Das Schlagwort von der digitalen Demokratie, die angeblich der gesamten Menschheit offensteht, ist reiner Humbug. Besonders die kalifornische Schule des Cyberspace, die sich in Magazinen wie »Wired« manifestiert, geht von einer beinah automatischen Emanzipation des Individuums durch die Nutzung des Internets aus. Dabei wird jedoch übersehen, daß der rechte Flügel dieser Netzphilosophie die Emanzipation des Individuum nur im Bereich der Wirtschaft verortet, die dann auch noch als eine Art Naturzustand des Cyberspace propagiert wird. »Diese Sicht des Internet sei es auch, die immer wieder zu Mißverständnissen und Abwehrreaktionen führe. »Das Internet ist kein Mittel zum Selbstzweck, sondern eine Technik, mit der wir leben. Wie das Radio ist es vielfältig benutzbar. Daher sollte es nicht multinationalen Großkonzernen überlassen werden, die sowieso auf unmündige Consumer setzen. Die Kritik am Netz kann nur im Netz passieren. Diese Theorie vertritt auch der amerikanische Cyberaktivist und Herausgeber des Magazins »Mondo 2000« R U Sirius. Eine Maschinenstürmer-Mentalität wird es immer geben, nur hieße dies im konkreten Fall, das Internet sozusagen dem Feind zu überlassen. Hier setzen wir auf die vielfältigen Potentiale innerhalb der alternativen Szene Salzburgs. Wie idealistisch bzw. utopisch dieser Gedanke ist, wird sich im Laufe der Zeit während der Arbeit an konkreten Projekten zeigen.«

subnet sieht sich daher auch als Gegenpol zu kommerziellen Internet- Providern und technokratischen Neoliberalismen im Zeichen der schönen, neuen und bunten Computerwelt. Dazu gehören vor allem auch jene Netz-Entwürfen, die ÖVP-Landeshauptmann Franz Schausberger durch das »Zukunftsforum« propagieren läßt. Hier dreht sich im Bereich »Digitale Information/Neue Technologien« alles nur um effizientere »Unternehmenskommunikation«, »Wirtschaften im Netz« sowie darum, daß Salzburg für das »Digitale Business« fit gemacht werden muß. Immerhin wird keine heiße Luft in Sachen Kunst, Kultur und Soziales verbreitet. Andererseits zeigt sich hier die Ideologie des Internet-Technokratismus am ungeschminktesten. Wird doch die Forderung nach freien und kostengünstigen Netzzugängen vor allem durch die Möglichkeiten zum Teleshopping, Telearbeiten, Rechnungbezahlen und dem Entfall von Besuchen in »Bibliotheken, Museen oder Universitätsinstituten« begründet. Von den vielfältigen Möglichkeiten, im digitalen Netz auch seitens der BenutzerInnen Informationsquellen beisteuern zu können, d. h. sowohl Sender wie Empfänger von Informationen zu sein, ist in diesem rein konsumistisch angelegten Konzept natürlich nicht die Rede. Statt dessen wird das WorldWideWeb zur »WeltWeitenWerbung« reduziert.

Demgegenüber sieht das Konzept von subnet vor allem eine künstlerisch-inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Medium Internet vor. »Dies ist unbedingt notwendig, um den immer schneller werdenden technologischen Entwicklungen auch gesellschaftliche Entwicklungen gegenüberzustellen. Hierbei geht es ebenso um experimentelle Freiräume wie um Fragen, die sich in punkto Sicherheit, Geheimhaltung, Urheberrecht, Privatsphäre, Jugendschutz, Menschenrechte und Demokratie stellen. Hier gibt es besonders in Österreich enormen Aufholbedarf, da sich fast niemand der sozial-politischen Konsequenzen des Internet bewußt ist. Uns geht es nicht um Profitmaximierung. Wir wollen die emanzipatorischen Potentiale der Computerkultur manifest machen und mit ihnen arbeiten. Hier gibt es enorme Möglichkeiten einer Machtdezentralisierung, da einzelne mit ihren Computern enorm viel bewerkstelligen können. Zudem wollen wir im Netz bewußt als Sender von Informationen auftreten.« Es gehe daher auch um die Vermittlung von »Media Compedence«. Hier planen subnet sogenannte »Guided Tours«, die ohne viel technokratisches Kauderwelsch InteressentInnen die Materie näher bringen sollen.

Dazu kommt der, nicht zufällig ausgewählte, Standort Kulturgelände Nonntal. Dazu subnet: »Da gibt es schon Berührungspunkte. Etwa in Sachen Demokratieverständnis und Emanzipation. Es geht jedoch auch darum, Berührungsebenen herauszuarbeiten, Kompetenzen auszutauschen und aufzuteilen. Das Netz muß manifest präsent sein. Etwa durch einen Terminal im Beisl. Da können dann alle, die wollen, im Netz herumsurfen. Es sind jedoch auch Events in Planung, bei denen ausgearbeitete Projekte präsentiert werden sollen. Wir denken auch an Videoübertragungen in Echtzeit, bei denen z. B. gleichzeitig im Kulturgelände und der Stadtwerkstatt Linz stattfindende Veranstaltungen in den jeweils anderen Veranstaltungsort übertragen werden, sodaß die Besucher im Prinzip an beiden Events teilnehmen können.«

Mögliche Schwellenängste sollen gleich zu Beginn im Keim erstickt werden. »Wir können nicht Leuten etwas beibringen, was sie nicht verstehen wollen. Daher werden wir auch keine Zwangsbeglückungen betreiben. Sowas wäre in unseren Augen kontraproduktiv, da es im Endeffekt nur zu einer noch schärferen Abwehrposition führen würde. Andererseits wird die alternative Szene auch nicht jünger. Uns geht es schon auch darum, jüngere Leute dafür zu interessieren. Wir glauben nicht, daß Computerkids sozial-politisch nicht aktivierbar sind. Sie werden nur nicht in einer ihnen adäquaten Art und Weise angesprochen.«

Salzburgs alternative Szene wäre schlecht beraten, würde sie dieses Angebot nicht wahrnehmen. Zudem wäre dies auch eine Möglichkeit die immer wieder beschworene, jedoch de facto nur marginal vorhandene »Re-Politisierung« der Kunst- und Kultur-Szene anhand praktischer Beispiele voranzutreiben. Der von der IG Kultur im aktuellen Band »Klimawechsel. Für eine neue Politik kultureller Differenz« geforderte »österreichischer Cultural Highway« (in etwa vergleichbar mit dem »Austrian School Network«) würde so schon vor seiner politischen »Geburt« den Betrieb als »öffentliche Schnittstelle zu Kunst und Kultur« aufnehmen können.

An Projekten für die weitere Zukunft mangelt es jedoch nicht. Geplant ist etwa eine Roboter-Installation (»Kybermax«), die »Initiative Mediavirus«, eine Zusammenarbeit mit dem im Netz schon präsenten Salzburger Jungle/Trip Hop-Duo Urban Trip, ein »LiteraturWeb«, ein »Social Space« sowie regelmäßige Kolumnen im »kunstfehler«. Voraussichtlicher Start wird im Februar sein, nachdem die Adaption der Räume und Installation der Gerätschaften abgeschlossen ist und ein regelmäßiger Betrieb aufgenommen werden kann.

Kontaktadresse:

http://www.subnet.at

Verein subnet

c/o Bruno Randolf

Auerspergstr. 42

5020 Salzburg

Tel.: 0676/5232909