august-september 2003

Doc Holliday
zu gast

SPLASH!

Summer Opening

Das ist schon echt fies, was dieser Wettergott so alles treibt! Mitten im heißesten Juni seit Erfindung der meteorologischen Mitschriften nimmt er doch glatt die Ankündigung der ARGE-Programmverantwortlichen total ernst: „SPLASH“ – der Himmel öffnete seine Schleusen gleich mehrmals. Es goss wie aus Kübeln, was natürlich den Publikumsandrang in Grenzen hielt. Vor allem der „erste Teil“ des Fests, der im Gastgarten über die Bühne ging, fiel zwar nicht gänzlich ins Wasser, hatte aber doch erheblich unter den irregulären Bedingungen zu leiden. Dabei waren die Veranstalter bei der Programmierung sichtlich bemüht gewesen, für das heterogene ARGE-Publikum eine lässige Mischung zu finden.

Apropos Mischung: Am Anfang stand „der ganze Bereich Wein“, so Vincenz Wizlsperger vom KOLLEGIUM KALKSBURG – einem Trio, das sich der Pflege des Wienerliedes verschrieben hat. Mit den ganzen Konsequenzen: also dem ernsthaften Trankeln, dem Heben der alten Raunzerschätze, dem Einsatz der singenden Säge. Und Tradition bedeutet für die Weinbeißer nicht bloß die alten Klassiker zu interpretieren, sondern auch nach bestem Vorbild (Helmut Qualtinger oder Kurt Sowinetz) eigene Kompositionen zu wagen. Ob es aber der Animateure aus dem Osten bedurft hätte, um das Publikum auf die schier unerschöpfliche Quelle an vergorenen und gebrannten Flüssigkeiten im ARGE-Beisl hinzuweisen, darf an dieser Stelle mit Fug und Recht bezweifelt werden. Zumal etliche Gäste aus Kalksburg und Umgebung – ehemalige Mozartstädter – den Weg ins Nonntal gefunden hatten, die nicht von der spezifischen Mischung aus Fatalismus und Lebenslust, die bekanntlich das Wesen des Wienerlieds ausmacht, magnetisch angezogen wurden, sondern von der mit Freuden erwarteten Rückkehr DER Salzburger Lokalmatadore (Fach: harter Gitarrenrock) der 90er Jahre.

Die Rede ist natürlich von BONE. Ganze sechs Jahre nach ihrem letzten Live-Auftritt und dreieinhalb Jahre nach der endgültigen Trennung meldet sich die Band in „abgespeckter“ Form zurück: Werner Pichler (Bass, Gesang), Christian Pöttschacher (Gitarre, backing vocals) und Hannes Frauscher (Schlagwerk) bildeten schon bei der Gründung vor zwölf Jahren den Kern der Combo. Irgendwo im Amphetamine Reptile-Universum – dem Label, wo „Vorbilder“ wie die Melvins (für die sie 1996 in der ARGE eröffneten) oder Helmet beheimatet waren – holen sich auch die wiedergeborenen „Knochen“ die Inspiration für ihre „bone-crunching riffs“. Gewitter nicht am Himmel, sondern aus den Boxen. Altes wie neues Material, dargeboten in einer Mischung aus Exzess und Kontrolle.

Was auch für FETISH 69 gilt. Die Wiener Band um FM4-Mitarbeiter Christian Fuchs, die einst mit ihrem Sound-Bastard aus Industrial und Metal die Wiener Gemütlichkeit zerlegte, wurde in Salzburg allzu lange vermisst. Inzwischen klingt ihre Melange aus wohldosierter Brachialität und düsterem Pop ziemlich abgeklärt.