oktober 2003

Thomas Neuhold
editorial

Liebe Leserinnen! Liebe Leser!

Es muss eine Fetzengaudi gewesen sein, als die Werbeleute den Verantwortlichen von Graz 2003 den Einfall von der Kulturhauptstadt Graz, welche die Sporthauptstadt Salzburg grüßt, präsentiert hatten. Auch die Idee, ein Museum in der Stahlstadt Linz als Salzburger Kultureinrichtung anzupreisen, hat an der Donau wohl zu einiger Heiterkeit geführt. Aus Salzburger Sicht kann man da nur mehr jenes Sprichwort strapazieren, nach welchem man sich im Schadensfall um den Spott nicht mehr zu sorgen bräuchte.

Dass sich die Linzer und Grazer Werbestrategen so ungeniert über die kulturelle Situation Salzburgs lustig machen können, hat sich die Salzburger Politik selbst zuzuschreiben. Wer das Angebot Guggenheim-Museum arrogant ausschlägt, beim Umbau des Kleinen Festspielhauses sehenden Auges auf eine Katastrophe zusteuert und wer Mitte September 2003 noch immer kein Budget für das Mozartjahr 2006 erstellt hat, braucht sich nicht wundern, wenn er zum Gespött wird. Wie Salzburg ein kulturpolitischer Neustart gelingen könnte, müßte ein zentrales Thema der herbstlichen Wahlauseinandersetzung werden. Nicht zuletzt aus ökonomischen Überlegungen. Ein wichtiger Impuls dazu sollte eigentlich auch von den in den vergangenen Jahren träge gewordenen Kulturinitiativen und -institutionen selbst kommen. Schon im eigenen Interesse: Ohne massiver politischer Aufwertung der Kultur drohen nämlich nach dem März 2004 weitere fünf dürre Jahre.