mai 1999

kurzfehler

kurzfehler

Hubschrauber brauche unser Heer, so die einhellige Meinung ziviler wie nichtziviler Militärexperten nach der Lawinenkatastrophe von Galtür und angesichts des Flüchtlingsdramas im Kosovo. Was macht aber so ein Bundesheer-Hubschrauber, wenn er keinen Katastropheneinsatz fliegt? Eine mögliche Antwort dazu liefert seit Mitte April ein kleines Schwarz- Weiß-Plakat, das schon zweimal gelesen sein will. Darauf steht: »HANDTASCHENRÄUBER da hilft nur noch HUBSCHRAUBEREINSATZ«. Unterschrieben mit »Helfen und Schützen - Unser Heer«. Der alte - zudem antimilitaristische und sich auf die deutsche RAF-Paranoia der späten 70er beziehende - Neue deutsche Welle-Klassiker von Foyer Des Artes (Max Gold) im Dienste des Bundesheers? Wurden hier zuviel Action-Filme konsumiert? Werden Bundesheer-Hubschrauberpiloten hinkünftig in der österreichischen »Search & Destroy«-Variante »Mit-Kanonen-auf-Spatzen-schießen« unterrichtet? Oder grinst sich hier nur die alte Postmoderne ins Fäustchen, weil das Establishment nun auch das strategische Affirmations-Spielchen mit entkontextualisierten Zitaten spielt? Wir wissen es nicht, warten jedoch gespannt auf Plakate wie »People Are Strange When You're A Stranger - Deine Fremdenpolizei«.

Mehr Liberalität! - fordert Karin Ploier Wanner, die ehemalige Kulturreferentin des noch ehemaligeren Stadtoberhaupts Dechant vom neuen Bürgermeister Schaden. Der wolle Ploier Wanner, »die den bei den Kulturinitiativen heftig umstrittenen Dechant-Kurs stets mittrug«, nicht mehr in seinem neuen Team. Und sie setzt etwas resigniert nach: »Nach all den Vorurteilen, die mir entgegenschlagen, brauche ich ohnehin Urlaub von der Kultur«. Dieser gefallenen »Mutter Theresa der Kulturinitiativen« kann geholfen werden. An Stelle des Urlaubs bietet der Dachverband Salzburger Kulturstätten in den Monaten Juli/August ein Qualifizierungspraktikum auf Basis geringfügiger Beschäftigung.

»Jetzt Bomben bis zum Nachgeben« - ein Aufruf einer linksradikalen Zeitschrift zum bewaffneten Kampf? Mitnichten: Die Kronenzeitung - immerhin Bezieherin der Presseförderung der noch neutralen Republik Österreich - ruft seine Leser am 24. März zum Bombardement Serbiens.

Die Kronenzeitung hat – spät, aber doch - eine empfindliche gerichtliche Niederlage hinnehmen müssen. Laut Einstweiliger Verfügung darf die »Krone« ihre Kampagne gegen Bürgerlisten-Stadtrat Johann Padutsch nicht länger fortsetzen. Padutsch wurde von den Schreiberlingen des Kleinformates wiederholt bezichtigt, williges Werkzeug einer internationalen Architektur-Schickeria zu sein. Was laut Klage der Bürgerliste nicht stimmt.

Eigentlich schade, denn angesichts so mancher Bauwerke heimischer Architekten wäre ein bißchen internationaler Schick gar nicht schlecht für Salzburg.

Wolfgang Purtscheller ist endlich rehabilitiert. Dem vor allem durch seine Recherchen im rechtsextremen Sumpf bekannt gewordenen engagierten Journalisten war eine Beteiligung an dem mißglückten Anschlag von Ebergassing vorgeworfen worden. Vor allem die rechtsextreme Zeitschrift »Aula« und die FPÖ hatten wiederholt auf eine Verfolgung des fortschrittlichen Journalisten gedrängt. Nach drei Jahren Vorerhebung durch die Staatsanwaltschaft mußte diese nun ihre Untersuchungen einstellen.

Der Asfalter hat seine durch den Streit zwischen der Herausgeberin »Soziale Arbeit Ges. m.b.H« (SAG) und zwei ehemaligen RedakteurInnen verursachte Krise überwunden. Die Asfalter-VerkäuferInnen sind wieder an allen Ecken und Enden anzutreffen. Juristisch mußte SAG-Chef Markus Gstaach jedoch eine herbe Niederlage einstecken. Ein von den zwei Ex-AsfaltermitarbeiterInnen gegründeter gleichnamiger Verein, welcher ebenfalls den Namen »Asfalter« beansprucht, hat in der zweiten Instanz das Verfahren gegen die SAG gewonnen. Theoretisch und rechtlich könnten also bald zwei »Asfalter« durch Salzburg flattern. Ob dies den VerkäuferInnen irgendetwas hilft, darf bezweifelt werden.

Der ambitionierte Salzburger Jungregisseur Wolfgang Haberl, der u.a. bereits als Co-Autor mit Wolfram Paulus an dem Kinderfilm »Ein Rucksack voller Lügen« gearbeitet hat, stellt am 8. Mai im DAS KINO sein erstes eigenes Filmprojekt vor. Der Kurzspielfilm »Der Unterschlupf« über einen jungen Roma wurde im Vorjahr in Salzburg großteils mit jugendlichen Darstellern realisiert.

Othmar Raus (SPÖ) denkt an eine Neustrukturierung der Salzburger Filmförderung. Nach Tiroler Vorbild soll auch die Wirtschaftsförderung und die Tourismuswerbung in die Filmförderung eingebunden werden, meint Raus. Demnach wären für die Zuerkennung einer Förderung die wirtschaftliche und/oder kulturelle Bedeutung des Projektes ausschlaggebend. »Wirtschaftlich« heißt in dem Fall »Umwegrentabilität«. Konkret müßte mindestens das Zweifache der bereitgestellten Mittel regional ausgegeben werden. Neben der Nutzung von Einrichtungen der Salzburger Filmbranche können auch sonstige Ausgaben, die im Zuge des Projektes anfallen – vom Hotel über das Catering bis zur lokalen Tischler- oder Schneiderei -, eingerechnet werden, so der Vorschlag von Raus.

Viel Lärm um nichts? Mitte April wurde im alten Mesnerhaus Maxglan Salzburgs erste Notschlafstelle für Kinder und Jugendliche eröffnet. Rund 100 Jugendliche werden in Salzburg jedes Jahr obdachlos. Die im Vorfeld laut gewordenen heftigen Attacken gegen die Caritas, die als Betreiberin gegenüber Pfarrkirchenrat und Anrainern den Bedarf der Notschlafstelle rechtfertigen mußte, sollten nun beigelegt sein. Laut Caritas werde ein Beratungsgremium ständigen Kontakt zur Pfarre halten. Unter den KritikerInnen der Notschlafstelle, die in der näheren Umgebung wohnen, fand sich kein einziger, der dabei mitarbeiten will.