märz 1997

Thomas Neuhold
gelesen

Karl und Rudolf Obauer Das neue österreichische Kochbuch.

230 Klassiker und neue Kreationen. Z. Sandmann, München 1996.

Wenn in einem Land mit internationaler kulinarischer Reputation ein Kochbuch auf den Markt kommt, welches über seinen Titel deutlich einen Alleinvertretungsanspruch für Neues erkennen läßt, ist Vorsicht geboten. Oft verbergen sich dann zwischen den Buchdeckeln altbackene Rezepturen mit (bestenfalls) neuer Garnierung. Die Werfener Brüder Obauer, die europaweit zu den Großen hinter dem Herd zählen, beweisen das Gegenteil. Ihnen gelingt es, neben der Präsentation von wirklich Neuem (beispielsweise: »Gänseleber auf vier Arten mit Cognac-Rhabarbermark«), scheinbar Bekanntem aus der Region (»Blutwursttascherl mit Gerstelkraut und Bieressig«) neue Tendenzen zu entlocken. Das zählt vielleicht noch mehr als jede Neukreation. Dabei ist das Erfolgsrezept der Werfener Haubenköche so einfach: Sie setzen vor allem auf regionale, oft wenig luxuriöse Ingredienzen und kombinieren diese mit Phantasie und ihrer kochenden Weltoffenheit. Allerdings, das sei hier nicht verschwiegen, wer aus dem elitären Werk etwas nachkochen will, muß schon mehr als nur einmal den Kochlöffel geschwungen haben.