august 1996

Birgit Feusthuber
zu gast

Die Arbeitslosigkeit

Stichwort Sommer: Natürlich Sonne, Wärme, Gastgarten, Badefreuden undsoweiter. Und abends genüßlich auswählen: Klopft man ans szenische Himmelstor oder läßt man die Klänge der klassischen oder zeitgenössischen Musik in die mittlerweile feindbildfreien Ohren dringen oder spaziert man in der lauen Abendluft zu einer gemütlichen Weinverkostung in die Arge, zu einer Diskussionsveranstaltung, einer Lesung.....Vor zwei Jahren noch gab es diese Sommer, fast könnte man nostalgisch werden, kein Azorenhoch will sich nun aufbauen, Herbstkleidung ist angesagt. Doch nicht nur wettermäßiges Zähneklappern vertreibt jeglichen Anflug von Erholungsgefühl: Letztes Jahr schon mußte der Vorstand das Team in die Arbeitslosigkeit entlassen, das Sommerprogramm aufgrund der fehlenden Gelder streichen und auch heuer eine Million Schilling vom Kulturbudget abzwacken und erneut die MitarbeiterInnen im Juli (bis auf drei Leute) stempeln schicken. Doch nicht genug dieser fatalen Entwicklung: Frau Ministerin Gehrer ließ uns in der ersten Juliwoche wissen, daß sie die Arge nicht mehr als zu fördernden Verein in ihrem Erwachsenenbildungskonzept weiterzuführen gedenkt, eine Entscheidung, mit der sich auch die Leselampe, der Kulturzweig der Arge Region Kultur mit Pro Vita Alpina und Hans Haid konfrontiert sehen - das mit dem Institut für Alltagskultur hat sich mittlerweile ja von selbst erledigt. Für die Arge bedeutet dies ein neu klaffendes Loch von über 800.000 Schilling, das es mit noch zu entwickelnden Phantasien zu stopfen gilt, aber eigentlich geht uns schön langsam die kreative Luft in diese Richtung aus. Der von Bund und Stadt gegebene Rat, es doch einmal bei der EU zu versuchen, bewegt nicht einmal mehr eine einzige Faser unserer müd gewordenen Lachmuskeln. Und allen Beteuerungen über die zunehmende und anzustrebende Gleichwertigkeit der Gelderverteilung zum Trotz: Land und Stadt Salzburg sehen in der Investition für das saisonale Großprojekt Festspiele nach wie vor die dringlichste kulturpolitische Aufgabe. Aber: Wenn schon sparen, dann bitteschön gerecht. Kein Kulturmensch dieser Stadt bestreitet den künstlerischen und ökonomischen Wert der nachkarajanischen Festspiele, aber warum die Teilnahme am von Mortier initiierten European Art Forum Salzburgs Kultur- schaffenden fünftausend Schilling ge- kostet hätte, ist argumentativ schwer zu belegen. Sollten wir etwa unerwünscht gewesen sein bei den Diskussionen über unsere kulturellen Perspektiven? Das wollen wir doch nicht glauben und möchten hier die Bedeutung unserer ganzjährigen Kulturarbeit mit ihrer beträchtlichen Umwegrentabilität wieder einmal kräftig betonen. Und auch dies zum wiederholten Mal: Kulturarbeit lebt von der Kreativität und dem Engagement hochmotivierter Menschen, die ihre Energien für spannende Projekte und Veranstaltungen bündeln sollen - und sich nicht in zermürbenden Geldbeschaffungsaktionen zerreiben wollen. Wir bleiben fröhliche UtopistInnen und glauben weiterhin, daß Kunst und Kultur die Erinnerung an das Mögliche sein können. Und dieses Mögliche bleibt weiterhin eine zu unterstützende Aufgabe für unsere PolitikerInnen, die sich bei jeder medialen Gelegenheit auf die kreativen Ressourcen dieses Kultur-Landes beziehen.

Aus einem sehr stillen Kulturgelände wünschen wir dennoch einen schönen Sommer.