april 1996

Ludwig Laher
wenn und aber

Republiksplitter oder Orden muß sein

Die pinguinförmigen Faschingsprinzen auf dem Opernball mit ordenbewehrter Brust, eine komisch-tragisch-idotisch-lächerlich-männliche Gockelei. Okay, soll sein.

Ferner die rüschenbeblusten Mittvierziger-innen, denen ein Landeshauptorgan für erwiesene Topfruchtbarkeit im festlich geschmückten Saale eine mutterkreuzartige Plätschen kredenzt. Staunend stehen wir davor.

Darüber die Vitrinen voll mit Inländerrum und Medaillen, errungen bei Massenläufen am nationalen Feiertag, zu Fuß, zu Rad etc., zum Ruhm der Inländer. Wer ließe sich davon nicht ergreifen.

Schließlich wäre da noch ein Vizekanzler, der freudig kündet, mit dem kleinen Sohn gern von Zeit zu Zeit vor dem Fernseher zu sitzen und sich den Musikantenstadl-Moik reinzuziehen. Das offene Bekenntnis erfolgt anläßlich der Verleihung des großen goldenen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich an ebendenselben unerschrockenen Marschierer zwischen den langen Biertischen.

Nur den alten Felix Habsburg läßt sie par-tout nicht herein ins Land, die republikanische Creme. Und Orden kriegt er schon gar keinen, weil er nicht und nicht verzichten will auf dynastische Erbansprüche. Sie seien längst irrelevant, argumentiert der drittgeborene Kaisersproß schlau. Aber die Republik ist auf dem Hut. Wofür hat man schließlich gekämpft anno Schnee. Hm, einen Moment, ich hab’s gleich. Für, für, äh, Or...den? Ist Orden die Antwort? Ja? Und was hab’ ich jetzt gewonnen, Herr VeraSchiejokRappPirchnerMoikKarli mit Gattin?