september-oktober 1998

Thomas Neuhold
leitartikel

Kultur ist Wirtschaft

»Bilbao erntet die Früchte des Mutes.« So übertitelte »Der Standard« im August einen Bericht über die Auswirkungen des Guggenheim-Museums auf die baskische Industriemetropole. Die Zahlen sind beeindruckend: Bis zu 10.000 Museums-BesucherInnen täglich bescherten Bilbao einen Nächtigungszuwachs von 22 Prozent. Bei ausländischen Gästen wurde gar ein Plus von 140 Prozent verzeichnet. Dem steht, laut »Standard«, eine Investitionssumme von 1,75 Milliarden Schilling gegenüber. Diese Steigerungsraten wären zwar nicht ohne weiteres auf das touristisch hochentwickelte Salzburg umzulegen, verdeutlichen aber, welche wirtschaftliche Chance mit dem Nein zu Guggenheim vergeben wurde.

Natürlich wäre es zu eindimensional, kulturelle Projekte nur auf die profane Ökonomie zu reduzieren. Die ökonomische Bedeutung der vielgeschmähten Kultur zu negieren, ist noch dümmer. Ausgerechnet im Salzburg der Festspiele scheint man diesen Zusammenhang aber nicht begreifen zu wollen. Die Jahrhundertchance Guggenheim wurde vergeigt. Das Filmfestival »Diagonale« hat man kampflos, ja scheinbar sogar gerne, den GrazerInnen überlassen. Und während sich die ehemalige Stahlstadt Linz zu einem kulturell pulsierenden Zentrum mausert, reduziert die ehemalige Salinenstadt Hallein alle kulturellen Aktivitäten auf beinahe Null.

SP-Stadtvize Heinz Schaden hat recht, wenn er im »kunstfehler«-Interview auf den engen Zusammenhang von Wirtschafts- und Kulturpolitik in Salzburg hinweist. Bürgerlistenklubchef Helmut Hüttinger hat recht, wenn er fordert, das Mozartjahr 2006 müsse für die kulturelle Gesamtentwicklung Salzburgs genutzt werden: Gäste kleiner und großer Festivals, BesucherInnen von Museen, Theatern und Konzerten, KulturtouristInnen der verschiedensten Interessenslagen - sie alle nächtigen, essen und trinken, konsumieren, zahlen Steuer... Bei aller Problematik, die der Tourismus mit sich bringen mag: Museen, Konzerthäuser und Theater sind letztlich doch eine angenehmere Art Geld zu verdienen, als rauchende Fabriksschlote oder künstliche Megaerlebnisparks.